Aus der Vereinsgeschichte Nach der bisher urkundlich festgelegten Überlieferung läßt sich die Entstehungsgeschichte des Weißensberger Musikvereins bis ins Jahr 1853 zurückverfolgen. Daß die Kapelle auf eine noch ältere Vergangenheit zurückblicken kann, zeigt der erst vor kurzem entdeckte Zeitungsartikel im "Anzeige-Blatt für das westliche Algäu" vom 24. August 1896, mit folgendem Originalwortlaut: "Simmerberg, 24. August 1896 Im wechselvollen Ablauf der Zeiten verstand es der Verein, die Freude
des alemannischen Menschen in der Musik wachzuhalten. Nach Beendigung
des Feldzuges gegen Frankreich 1870/71 schlossen sich die hiesigen Gemeindebürger
zur Pflege der Musik neuerdings enger zusammen. Leider ging in den Wirren
der Vergangenheit, unter denen natürlich auch das Vereinsleben zu
leiden hatte, manche wertvolle Urkunde verloren. In den neunziger Jahren
des verflossenen Jahrhunderts dirigierte Thomas Strodel aus Loch-Rothkreuz
die Musikkapelle. Unter seiner Leitung verdiente sich der Vorstand und
spätere Ehrenvorsitzende des Vereins, Josef Anton Hänsler,
Wildberg, die ersten Sporen im Dienste der edlen Musica. Ab 1911 fungierte
Markus Meßmer, Weißensberg als erster Vorsitzender. Albert
Luger aus Bösenreutin stand ihm damals als Dirigent zur Seite. Der
erste Weltkrieg riß schmerzvolle Lücken in die Reihen der
aktiven Musiker und Vereinsmitglieder. Einzelne, idealgesinnte Musikkameraden
hielten das Vereinsleben notdürftig aufrecht, das nach Kriegsende
allmählich einer neuen Blütezeit entgegen ging. Markus Meßmer
blieb weiterhin an der Spitze des Vereins. Die Kapelle hatte in Martin
Wilhelm, Metzlers und Adolf von Velasco, Rothkreuz, die richtigen Männer
gefunden. Als weitere, langjährige Vorstände folgen: Gendarmeriekommissar
Müller (Rothkreuz), Landwirt und Bürgermeister Josef Feßler
(Eggenwatt) und Maurermeister August Gut (Rothkreuz), der nach dem Zusammenbruch
im Jahre 1945 zäh und beharrlich die Wiedererstehung des Vereins
veranlaßte. Bis 1961 lag das musikalische Geschehen in den Händen
des Dirigenten Gustaf Strzibny. Ereignisreiche Tage waren das 100-jährige
Bestehen des Musikvereins mit Fahnenweihe im Jahre 1953, welches mit
dem 2. Bezirksmusikfest gefeiert wurde. Fahnenpatin war damals Paula
Messmer. Getragen wurde die neu geweihte Fahne von Bartholomäus
Kutter. Im Jahr 1961 übernahm Severin Birk die Führung des
aus 143 passiven und 10 aktiven Mitgliedern bestehenden Vereins. Als
Dirigent stand ihm Gustav Strzibny und später Hans Schmidt zur Seite.
Als Vorstand Birk aus gesundheitlichen Gründen sein Amt 1972 zur
Verfügung stellte, drohte der Verein aufgelöst zu werden. Um
den Verfall des Vereins aufzuhalten, führte Herr Birk den Verein
kommissarisch bis Januar 1973 weiter. Der damalige Gemeinderat Willi
Minke erklärte sich bereit, ein Häuflein von sieben Musikanten
zu übernehmen und den Musikverein Weißensberg auf neue Füße
zu stellen. Gleichzeitig wurde den passiven Mitgliedern das Stimmrecht
zuerkannt. Severin Birk übergab seine Geschäfte mit der Bedingung,
die bereits geführten Gespräche zur Aufnahme der Partnerschaft
mit Rothkreuz in der Schweiz zu verwirklichen. Minke war es gelungen,
bis Mai 1973 die Musikkapelle zum Partnerschaftsbesuch in die Schweiz
vorzubereiten. 1974 wurde die Kapelle mit einer Allgäuer Tracht
neu eingekleidet, die durch Spenden der Mitbürger und der Gemeinde
finanziert werden konnte. Durch die überaus große Gastfreundschaft
der Musikgesellschaft Rotkreuz /Schweiz im Jahr 1973, lud der Musikverein
Weißensberg 1975 zum ersten Gegenbesuch ein. Der Kontakt zwischen
den Kapellen wird bis zum heutigen Tag aufrecht erhalten. Als Dirigenten
fungierten damals Erich Schwarzkopf und Heinz Fritz, die es verstanden,
die Kapelle in kürzester Zeit auf ein gutes musikalisches Niveau
zu bringen. Aus komunalpolitischen Gründen stellte Minke seine hervorragenden
Fähigkeiten als erster Vorstand im Herbst 1975 bedauerlicherweise
wieder zur Verfügung. Bürgermeister Günther Zwisler übernahm
dann den Verein für zwei Jahre und als Dirigent unterstützte
ihn Ludwig Knaus. Er führte in den drei Jahren seiner Dirigentenzeit
den Musikverein zu drei Wertungsspielen, die den guten Leistungsstand
der Kapelle bewiesen. 1976 wurde Severin Birk und Markus Wilhelm für
deren Einsatz im Dienste des Vereins die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
1977 übernahm Kurt Mang das Vereinsruder und engagiert sich seither
stark in der Jugendausbildung. Zum Jahresende 1978 übernahm Heinz
Fritz die musikalische Leitung der Kapelle. Ein herausragendes Ereignis
in der Vereinsgeschichte war das 125-jährige Bestehen der Kapelle,
das vom 29.6. - 1.7.1979 im Rahmen eines Musikfestes mit Fahnenweihe
ausgiebig gefeiert wurde. Es war selbstverständlich, daß bei
diesem Ereignis auch die Freunde vom Zuger See anwesend waren. Als Fahnenpatin
glänzte Ulrike Baur. Getragen wurde die in neuem Glanz erstrahlende,
erstmals im 1912 geweihte Fahne von Horst Weiß, der dem Verein
bereits seit 20 Jahren als Fähnrich die Treue hält. Im Juni
1980 wurde Hugo Koros als mit 18 Jahren der bislang jüngste Dirigent
in der Vereinsgeschichte gewonnen. Unter seiner Stabführung machte
sich die Musikkapelle einen über die Gemeindegrenzen hinaus bekannten
Ruf für gute Unterhaltungsmusik. Im Rahmen des Jahreskonzertes 1984
wurden die Musiker Roland Bach und Max Vogler für 25-jährige
Mitgliedschaft geehrt. Europae ist heute in aller Munde. Für die
Weißensberger Musikanten war jedoch schon 1985 ein europäisches
Jahr, als diese vom 10. - 13. Mai in das über 1.000 Kilometer entfernte
Andouillé / Frankreich fuhren. Bereits eine Woche später
ging man wieder auf Reisen. Die schweizer Freunde hatten zu ihrem traditionellen
Maifest geladen. 1987 verbesserte sich das Erscheinungsbild der Musikkapelle
weiter. Die Musikantinnen wurden mit hervorragend zur vorhandenen Tracht
passenden Dirndl neu eingekleidet, was auch beim Publikum großen
Anklang fand. Doch nicht nur optisch gab es Veränderungen, wurde
doch mit Maria Weiß erstmals in der Geschichte des Vereins eine
Frau zur Geschäftsführerin gewählt. Auch in diesem Jahr
waren die Musikanten im benachbarten Frankreich unterwegs. Bereits zum
zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren machte man sich auf den Weg nach
Andouillé, um dort mit den neu gewonnen Freunden das "...... überall spricht man noch von Ihren musikalischen und folkloristischen Darbietungen und Ihrer schönen Uniform." Zu einem ereignisreichen Jahr entwickelte sich auch 1989. Am 10.6.1989 schlossen der Dirigent Hugo Koros und die erste Klarinettistin Ulrike Baur mit einer prächtigen Musikantenhochzeit den Bund fürs Leben. Eineinhalb Monate später begannen die Ausbauarbeiten für das neue Musikheim. Hier wurden von den Musikern und einigen verdienten Helfern des Vereins, unter der Führung von Kurt Mang, mehrere hundert Arbeitsstunden geleistet. Die französischen Musikerkameraden waren bereits an Christi Himmelfahrt zu einem mehrtägigen Gegenbesuch in Weißensberg angekommen. Das Jahreskonzert 1989 wurde als würdigen Rahmen ausgewählt, um Rudi Heinrich für seine 40-jährige Treue zum Verein auszuzeichnen. Die jahrelange "Heimatlosigkeit" in Sachen Probelokal nahm am 4. November 1990 mit der feierlichen Einweihung des neuen Vereinsheimes und einem Tag der offenen Tür ein Ende. Selbstverständlich war es, im Mai des selben Jahres zur Neuuniformierung der schweizer Freunde an den Zuger See zu fahren. Ein Erlebnis bildete auch die Teilnahme an dem vom Verlag Finanz und Wirtschaft am 13.10.90 in Bern veranstalten 2. Europäischen Heissluftballon-Festival, zu dem man engagiert wurde. Für 25 Jahre im Dienste der Blasmusik wurde am 8.12.1990 unser Bassist Werner Bach geehrt. Einen Wehmutstropfen brachte das Jahr 1991, als Hugo Koros mit seinem 12. Jahreskonzert endgültig den Taktstock niederlegte. Glücklicherweise kehrte er dem Verein nicht ganz den Rücken, sondern bereichert seither mit seiner Trompete und seinen zahlreichen Arrangements die Kapelle. Hermann Eggel wurde anläßlich des Jahreskonzertes für 25-jährige Musikertätigkeit geehrt. Seit Januar des vergangenen Jahres hat nun Richard Höllgartner die musikalische Führung der Kapelle. Der Musikverein zählt heute insgesamt 47 aktive Musikanten, davon neun in Ausbildung und 13 im Alter von unter 18 Jahren. 163 passive Mitglieder unterstützen den Verein. |
|