Lindauer Zeitung 11. Dezember 2000
Musikalisch Brücken geschlagen
 

WEISSENSBERG (bero)
Bis auf den letzten Platz besetzt war die Festhalle, als der Musikverein Weißensberg mit dem Griff zu den Instrumenten den Raum in eine riesige Zeitmaschine verwandelte. Zweieinhalb Stunden lang entführte die Kapelle ihre Zuhörer dann auf eine kurzweilige musikalische Reise quer durch Raum und Zeit.

Doch zuvor überließ sie das Feld ihrem musikalischen Nachwuchs, der eine überzeugende Kostprobe seines Könnens ablieferte. "Zu verdanken ist die gute Jugendausbildung der Kapelle vor allem einem Mann: Richard Wechsler", unterstrich der Vorsitzende Martin Sutter. Die enge Verbundenheit der Blaskapelle mit ihrem langjährigen Vorsitzenden, den der Tod im vergangenen Frühjahr allzu früh aus der Mitte seiner Kameraden gerissen hatte, zog sich wie ein roter Faden durch das Jahreskonzert.
Vielleicht ein Grund, weshalb Moderator Martin Steur die Zuhörer einlud, gerade in der Adventszeit über das Leben an sich und moralische und ethische Grundwerte nachzudenken. Die Eröffnungshymne "Einzug der Gladiatoren" nahm Steur etwa zum Anlass, die jüngsten Entwicklungen des "Schmuddel-TV" mit der "Unterhaltungsindustrie im alten Rom" zu vergleichen. Vom Circus Maximus und dem Kolosseum aus führte der Weg darauf mit der flotten und sauber geblasenen "Brinpolka" von Karel Hulak direkt in den "Tiefen Keller" des Komponisten Richard Zettler. Souverän begleitet von der Gesamtkapelle hatte hier Posaunist Phillip Jähner seinen starken Solo-Auftritt. Für seine gute musikalische Leistung erntete er nicht nur ein anerkennendes Schulterklopfen des Dirigenten Richard Höllgartner, sondern auch den verdienten Applaus des Publikums. Keine Frage, dass sich Jähner erst nach einer Zugabe wieder in die Reihen der Blaskapelle zurückziehen durfte. Vor der Pause setzte die Kapelle mit dem "Mährischen Tanz Nr. 4" von Frantisek Manas noch einmal Glanzpunkte, bewies Homogenität, Präsenz und eine ausgefeilte Blaskultur.
Im zweiten Programmteil war insbesondere das Können der Perkussionsgruppe gefragt. Kein Wunder, befand man sich doch mitten im Herzen Afrikas. Durch den nuancenreichen Vortrag der Weißensberger, die die Details und Klangfarben der "African Symphony" präzise herausarbeiteten, geriet die musikalische Safari, begleitet von Löwen und Elefanten, durch die afrikanische Steppe zu einem hörenswerten Musikerlebnis. Von der Fülle der Lebensformen aus ging es dann zurück an die Ursprünge des Universums, den Tag Null ("Day-0") von Irving Burgie. Gezeichnet wurde hier ein schillernder Garten Eden, wobei der Komponist sich hörbar von paradiesischen Südseestränden inspirieren ließ. Mit "Glenn Miller in Concert" tauchten die Weißensberger problemlos ein in den faszinierenden Swing des unvergesslichen Musikers.
Max Vogler wurde ferner von Bezirkspräsident Roland Paulus für seine 40-jährige Treue zum Musikverein Weißensberg geehrt. Und damit der "Mann an der großen Trommel" dem Verein auch weiterhin die Treue hält, schenkte ihm die Kapelle ein maßgeschneidertes Schlagzeugtragegestell". Des Weiteren wurde der Zweite Dirigent Frank Heudorfer für seinen 15-jährigen Einsatz geehrt. Christian Pitsch und Ortwin Melzer erhielten für ihre zehnjährige Mitgliedschaft das Abzeichen in Bronze.