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Lindauer Zeitung
Montag, 10. Dezember 2001
Jahreskonzert MV Weißensberg
Ein Abend voller Temperament
WEISSENSBERG - Schon seit 28 Jahren
besteht die Freundschaft zwischen dem Musikverein Weißensberg
und der Musikkapelle Rotkreuz aus der Schweiz. Jetzt besiegelten
beide Kapellen diese Freundschaft mit einem gemeinsamen Konzert,
das vor Temperament und Vielseitigkeit nur so sprühte.
Von unserer Mitarbeiterin Benedikta
Rothstein
Auf der Suche nach einer Partnerschaft
waren die Schweizer Gäste vor knapp drei Jahrzehnten in Rothkreuz
bei Weißensberg gelandet. Und dies, obgleich sie eigentlich
ein anderes Rothkreuz, nämlich das bei Kempten, im Visier hatten.
Der Irrtum erwies sich letztlich als reiner Glücksfall. Denn
in Weißensberg rannten die Helvetier mit ihrem Ansinnen offene
Türen ein. Die Initialzündung für das gemeinsame
Konzert ging jetzt wiederum von den Schweizern aus. In Rotkreuz
hatte bereits die "Uraufführung" des Konzertes stattgefunden.
Der äußere Kontrast könnte nicht stärker sein.
Während die Weißensberger in ihren traditionellen Trachten
musizieren, ist das Auftreten der Schweizer geradezu elegant. Dirigent
Erich Zumstein übernimmt nicht nur die musikalische Leitung.
Er erfüllt gleichzeitig die Rolle des redegewandten Conferenciers.
Die Gemeinsamkeiten der beiden
Kapellen sind jedoch unüberhörbar - überzeugen doch
beide gleichermaßen schon nach wenigen Tönen durch ihr
ausgefeiltes musikalisches Können. Ihre Zuhörer aus dem
Alltag zu "entführen", hatten sich die Schweizer zum Ziel
gesetzt. Und was lenkt besser ab als ein mitreißender Hollywood-Film.
Schon die ersten Töne des Medleys "Movie Spectacular"
ließen aufhorchen. Kurz darauf war mit Guiseppe Verdi ein
völliges Kontrastprogramm angesagt. Mit Präzision und
konsequentem Umsetzen der Vorgaben Verdis verzauberten die Schweizer
in der Ouvertüre zur Oper "La Sforza Del Destino" ihre
Zuhörer durch das musikalisch nuancenreiche Auskosten aller
Schattierungen von Liebe und Leid. "Ein Marsch ist der Ursprung
der Blasmusik", schilderte Dirigent Erich Zumstein. Klar, dass er
auch im Konzert der Schweizer nicht fehlen durfte. Mit dem "Bellinzona
Marsch" hatten die Rotkreuzer eine typische Komposition aus der
Südschweiz im Gepäck. Anschließend tischten sie
ihren Zuhörern mit einem Querschnitt aus der "Westside
Story" einen wahren Leckerbissen auf. Unterstützt vom Video-Beamer,
der die wesentlichsten Szenen des gleichnamigen Films auf die Leinwand
bannte, beeindruckten die Schweizer durch ihre souveräne Gestaltung
abrupter Tempi- und Rhythmikwechsel, satte Blechbläsersätze,
hervorragend ausgearbeitete Span-nungsbögen und präzise
Intonation. Den würdigen Abschluss des Konzertes der Schweizer
bildete jedoch der groovige Sound Carlos Santanas.
Die Weißensberger Kapelle startete kurz
darauf mit ungarischem Feuer in ihr Konzert. Die "kleine ungarische
Rhapsodie" von Alfred Bösendorfer spiegelte nicht nur die Weite
der Puszta, sondern dank rasanter Läufe und Stakkatos auch
das überschäumende Temperament ihrer Bewohner wider. Ein
wahres Feuerwerk setzte die Komposition "Emotionen" frei. Keine
Frage, dass die Weißensberger unter der Leitung ihres Dirigenten
Richard Höllgartner auch diese Anforderungen mühelos meisterten.
Höhepunkt war jedoch die Komposition "Israel
Shalom" von Kees Vlak. Unverkennbar beeinflusst von jiddischen und
orientalischen Melodien, zündeten die Weißensberger ein
Pulverfass an Spannung und Dynamik. Zu den eindrucksvollsten Momenten
gehörten die beiden meisterhaft gespielten Flöten- und
Klarinettensolos, die die Einsamkeit der Beduinen in der Wüste
symbolisierten. Bekannte Spirituals von "Amazing Grace" bis
hin zu "Amen" rundeten den hörenswerten Auftritt der Weißensberger
ab. Doch die Weißensberger verbanden mit dem Konzert noch
ein weiteres Anliegen: Nämlich den Dank an ihren Dirigenten
Richard Höllgartner, der nach zehn Jahren den Taktstab aus
der Hand legt. Der stellvertretende Bezirksmusikleiter Hans Ess
zeichnete Höllgartner für seine Verdienste mit einer Ehrennadel
des ASM aus.
Außerdem wurden Maria Weiß, Hubert
Höllgartner, Leo Sauheitl und Vorstand Martin Sutter für
ihre 25-jährige Mitgliedschaft geehrt. Peer Langer und Christian
Klees sind seit 15 Jahren dabei. Für zehn Jahre aktives Musizieren
wurden Hans Jürgen Pöche, Volker Dietrich, Stefanie Mader,
Thorsten Stohr und Hans Schmidt ausgezeichnet.
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