Bericht aus der schweizer Presse

Jahreskonzert des Musikvereins Rotkreuz (24.11.2001)

Musikalisch kreuz und quer durch die Welt

Rotkreuz und Weissensberg: Zwei Partnervereine zogen am gleichen Strick und brillierten an ihrem gemeinsamen Konzert.

Wahrlich ein grandioses Konzert, das dem Publikum am vergangenen Samstag im Dorfmattsaal in Rotkreuz geboten wurde. Der mit dem Musikverein Rotkreuz freundschaftlich verbundene Partner aus Deutschland, der Musikverein Weissensberg, eröffnete den Abend mit einem Marsch von Julius Fucik und füllte den ersten Teil des Konzertabends unter der Leitung von Richard Höllgartner.

Schwerpunkt Frieden
I n der Folge spielten sie ungarische, israelische und amerikanische Stücke, die anspruchsvoll und sehr gut arrangiert waren. Im «Israel Shalom», einem Stück von Kees Vlak, das ungarisches, orientalisches und westliches Temperament aufwies, zeigten die verschiedenen Register mit kleinen Soli ihr Können. Mit diesen ausgewählten Stücken versuchten die vierzig Konzertierenden dem Publikum die Wirren des Weltgeschehens mit Schwerpunkt auf den Frieden zu vermitteln. Applaus erhielt der Sprecher Martin Steuer mit dem Zitat von Mahatma Gandhi: «Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg.» Mit «Böhmischer Traum» erfüllten die Gäste aus Deutschland am Schluss des ersten Teils die berechtigte Zugabeforderung des Publikums

Hoch stehende Musik
Im zweiten Konzertteil zeigte der musikalische Gastgeber, unter der Leitung von Erich Zumstein, sein hohes Niveau. Bereits die Ausschnitte aus Hollywood-Filmen liessen die Zuhörerinnen und Zuhörer das Können erahnen. Mit der Ouvertüre zur Oper «La Sforza del Destino» von Giuseppe Verdi kam die Virtuosität der Musizierenden voll zum Tragen. In ihren Bann schlugen die Musiker und Musikerinnen später die Besucher mit einem Querschnitt aus dem Musical «West Side Story», die sie mit Videobildern optimal untermauerten.

 

Nichts gegen klassische, marschmässige und afrokubanische Musik, aber erst bei der Zugabe Buurechilbi» -durch die Klarinettisten Hanspeter Rätz und Michael Fankhauser humoristisch dargebracht - kam das Publikum so richtig in Fahrt. Ein entsprechender fulminanter Applaus folgte auf dem Fusse. Der Musikverein Rotkreuz wurde seinem Motto für das Jahreskonzert «Wir heben ab» vollauf gerecht.
BEATRIX ZÜRREN

Lindauer Zeitung

Montag, 10. Dezember 2001

Jahreskonzert MV Weißensberg

Ein Abend voller Temperament

WEISSENSBERG - Schon seit 28 Jahren besteht die Freundschaft zwischen dem Musikverein Weißensberg und der Musikkapelle Rotkreuz aus der Schweiz. Jetzt besiegelten beide Kapellen diese Freundschaft mit einem gemeinsamen Konzert, das vor Temperament und Vielseitigkeit nur so sprühte.

 

Von unserer Mitarbeiterin Benedikta Rothstein

Auf der Suche nach einer Partnerschaft waren die Schweizer Gäste vor knapp drei Jahrzehnten in Rothkreuz bei Weißensberg gelandet. Und dies, obgleich sie eigentlich ein anderes Rothkreuz, nämlich das bei Kempten, im Visier hatten. Der Irrtum erwies sich letztlich als reiner Glücksfall. Denn in Weißensberg rannten die Helvetier mit ihrem Ansinnen offene Türen ein. Die Initialzündung für das gemeinsame Konzert ging jetzt wiederum von den Schweizern aus. In Rotkreuz hatte bereits die "Uraufführung" des Konzertes stattgefunden. Der äußere Kontrast könnte nicht stärker sein. Während die Weißensberger in ihren traditionellen Trachten musizieren, ist das Auftreten der Schweizer geradezu elegant. Dirigent Erich Zumstein übernimmt nicht nur die musikalische Leitung. Er erfüllt gleichzeitig die Rolle des redegewandten Conferenciers.

Die Gemeinsamkeiten der beiden Kapellen sind jedoch unüberhörbar - überzeugen doch beide gleichermaßen schon nach wenigen Tönen durch ihr ausgefeiltes musikalisches Können. Ihre Zuhörer aus dem Alltag zu "entführen", hatten sich die Schweizer zum Ziel gesetzt. Und was lenkt besser ab als ein mitreißender Hollywood-Film. Schon die ersten Töne des Medleys "Movie Spectacular" ließen aufhorchen. Kurz darauf war mit Guiseppe Verdi ein völliges Kontrastprogramm angesagt. Mit Präzision und konsequentem Umsetzen der Vorgaben Verdis verzauberten die Schweizer in der Ouvertüre zur Oper "La Sforza Del Destino" ihre Zuhörer durch das musikalisch nuancenreiche Auskosten aller Schattierungen von Liebe und Leid. "Ein Marsch ist der Ursprung der Blasmusik", schilderte Dirigent Erich Zumstein. Klar, dass er auch im Konzert der Schweizer nicht fehlen durfte. Mit dem "Bellinzona Marsch" hatten die Rotkreuzer eine typische Komposition aus der Südschweiz im Gepäck. Anschließend tischten sie ihren Zuhörern mit einem Querschnitt aus der "Westside Story" einen wahren Leckerbissen auf. Unterstützt vom Video-Beamer, der die wesentlichsten Szenen des gleichnamigen Films auf die Leinwand bannte, beeindruckten die Schweizer durch ihre souveräne Gestaltung abrupter Tempi- und Rhythmikwechsel, satte Blechbläsersätze, hervorragend ausgearbeitete Span-nungsbögen und präzise Intonation. Den würdigen Abschluss des Konzertes der Schweizer bildete jedoch der groovige Sound Carlos Santanas.

Die Weißensberger Kapelle startete kurz darauf mit ungarischem Feuer in ihr Konzert. Die "kleine ungarische Rhapsodie" von Alfred Bösendorfer spiegelte nicht nur die Weite der Puszta, sondern dank rasanter Läufe und Stakkatos auch das überschäumende Temperament ihrer Bewohner wider. Ein wahres Feuerwerk setzte die Komposition "Emotionen" frei. Keine Frage, dass die Weißensberger unter der Leitung ihres Dirigenten Richard Höllgartner auch diese Anforderungen mühelos meisterten.

Höhepunkt war jedoch die Komposition "Israel Shalom" von Kees Vlak. Unverkennbar beeinflusst von jiddischen und orientalischen Melodien, zündeten die Weißensberger ein Pulverfass an Spannung und Dynamik. Zu den eindrucksvollsten Momenten gehörten die beiden meisterhaft gespielten Flöten- und Klarinettensolos, die die Einsamkeit der Beduinen in der Wüste symbolisierten. Bekannte Spirituals von "Amazing Grace" bis hin zu "Amen" rundeten den hörenswerten Auftritt der Weißensberger ab. Doch die Weißensberger verbanden mit dem Konzert noch ein weiteres Anliegen: Nämlich den Dank an ihren Dirigenten Richard Höllgartner, der nach zehn Jahren den Taktstab aus der Hand legt. Der stellvertretende Bezirksmusikleiter Hans Ess zeichnete Höllgartner für seine Verdienste mit einer Ehrennadel des ASM aus.

Außerdem wurden Maria Weiß, Hubert Höllgartner, Leo Sauheitl und Vorstand Martin Sutter für ihre 25-jährige Mitgliedschaft geehrt. Peer Langer und Christian Klees sind seit 15 Jahren dabei. Für zehn Jahre aktives Musizieren wurden Hans Jürgen Pöche, Volker Dietrich, Stefanie Mader, Thorsten Stohr und Hans Schmidt ausgezeichnet.