Lindauer Zeitung 09.12.2003

"Alles im Leben ist eine Brücke"

Ins Reich der Filmmusik entführte der Musikverein Weißensberg seine Gäste beim Jahreskonzert.
LZ-Foto: Roither


WEISSENSBERG (hip)
Spielfreudig und mit einem ausgefeilten Programm präsentierte sich der Musikverein Weißensberg unter seinem Dirigenten Hubert Höllgartner beim Jahreskonzert. Eingestimmt auf den musikalischen Höhepunkt im Vereinsleben wurden die Zuhörer in der weihnachtlich dekorierten und voll besetzten Festhalle mit "Fanfare and Flourishes" von James Curnow. Die Eurovisionsmelodie live und ein gut aufgelegter Moderator Martin Schöllhorn (richtig: Steur) ließen schon ahnen, dass es kein Fehler war, auf einen Fernsehabend mit "Wetten dass.." und Thomas Gottschalk zu verzichten.

Wie ein roter Faden zog sich das Thema "Alles im Leben ist eine Brücke" mit Gedanken zum Alten und Neuen Europa durch die Moderation, leitete über zu den beschwingten Klängen des "Drina-Marschs" von Stanislav Binicki in der Bearbeitung von Rolf Schneebiegl. "Der fidele Bassist", ein Solo für Tuba vor Hans Rückauer, gab Volker Dietrich Gelegenheit, sein Können mit dem ungewöhnlichen Soloinstrument zu zeigen. Zarte und kraftvolle Töne des Solisten im Einklang mit dem Orchester beeindruckten allenthalben so sehr, dass dem Dirigenten der Taktstock entfiel und das Publikum eine Zugabe verlangte. Eine moderne musikalische Version des Psalmes 51 bot Timothy Johnsons "Resounding Praise". In diesem Stück fanden die einzelnen Instrumentenarten Raum zur vollen Entfaltung, um dann wieder zum harmonischen Zusammenspiel zu kommen.

Ein Jahreskonzert: ist auch der geeignete Anlass für Ehrungen. Zum erfolgreichen Bestehen des D2-Kurses konnte Oskar Bihler, stellvertretender Bezirksleiter des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM), Steffi Schäfler und Ingrid Martin beglückwünschen. Für zehn Jahre aktive Mitarbeit im Musikverein wurde Christine Löffler mit der bronzenen Anstecknadel geehrt. Silberne Anstecknadeln erhielten Julia Berger, Barbara Klees und Martin Steur, die seit 15 Jahren aktiv dabei sind.

Weil sich der Musikverein Weißensberg nicht zuletzt durch vorbildliche Jugendarbeit auszeichnet - derzeit werden hier 50 Kinder und Jugendliche ausgebildet - wurden auch die "Neuen" Sandra Gabriel, Yvonne Egle und Sebastian Schlott vom zweiten Vorsitzenden Siegfried Egle ganz offiziell begrüßt.

Ein besonderes Jubiläum, so Egle in seinem Rückblick, wurde schon im Mai diesen Jahres gebührend gefeiert: das 30-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem Musikverein Rotkreuz/Schweiz. Nicht nur musikalisch trage die Partnerschaft Früchte, im Laufe der Jahre seien auch zahlreiche Freundschaften entstanden, erklärte dessen Präsident Michael Fankhauser.

Nach der Pause war Filmmusik angesagt. Bevor der MV mit "The James Bond Theme" von Monty Norman, arrangiert von Jan van Kraeydonck, Spannung pur servierte, listete der gut informierte Moderator genauestens die Anzahl der in den 21 Filmen für den erfolgreichen Agenten geschüttelten (nicht gerührten) Wodka-Martini auf und wie viele Techtelmechtel 007 an welchen Orten zu überstehen hatte. Auf eine andere Ebene, nämlich die zum Mitswingen, lud der "Soul Bossa-nova" von Quincy Jones in der Bearbeitung von Masato Myokoin ein. Die eindrucksvollen Soli hierzu lieferten Andi Heine (Trompete) und Peter Langer (Posaune). Von den Siebzigern direkt ins Römische Reich entführten "The Gladiators" von Hans Zimmer, arrangiert von Roy Phillippe, und als Schluss- und Höhepunkt des Jahreskonzerts hatten die Weißensberger mit "Pop looks Beethoven" schicksalhafte Töne von Europas großem Komponisten im modernen Arrangement von Richard Newman im Gepäck.

Extra-Leckerbissen
Ohne Zugabe wollte das begeisterte Publikum an diesem Abend nicht nach Hause gehen. Ein Extra-Leckerbissen war mit der Uraufführung der von Dirigent Höllgartner komponierten "Nina-Polka" geboten und - weil der Beifall nicht abebben wollte - kam mit "Die Sonne geht auf" auch noch der so genannte "Gänsehaut-Marsch" zum Einsatz. Abschließend eine Beurteilung von Siegfried Egle: "So viel Spaß wie heuer hat es noch nie gemacht". Der Satz bezog sich auf die Probearbeiten. Aber man kann ihn auch durchaus für das Jahreskonzert gelten lassen.