Lindauer Zeitung 07.12.2004

Bericht und Foto: Werner Günthör

Musiker reisen von Wien bis in den Wilden Westen

Hörgenuss erster Güte: Beim Stück "Böhmisch Klarinetten" standen vier Weißensberger Klarinettisten im Mittelpunkt und rissen das Publikum zu wahren Beifallstürmen hin.

"Ich gratuliere Ihnen zu diesem gleichermaßen anspruchsvollen wie ansprechenden Konzert", lobte Konrad Stadelmann vom Allgäu-Schwäbischen Musikbund die Weißensberger Musiker mit ihrem Dirigenten Hubert Höllgartner. Die begeisterten Zuhörer des Jahreskonzertes waren derselben Meinung - gemessen am lang anhaltenden Applaus.

In Weißensberg gehören die ersten 20 Minuten des Jahreskonzerts den "Weißensberger Welpen", also den Nachwuchsbläsern. Mit dem Christmas-Rap bewiesen die Welpen viel Sinn für Humor und zeigten beim anschließenden "Lord of the Dance" Rhythmusgefühl, Tempiwechsel und sie beherrschten das komplexe Arrangement. "Derzeit sind 35 Jungbläser in Ausbildung, Flötenkinder nicht mitgezählt", leitete Vorsitzender Siegfried Egle in das Konzert der "Großen" über und zitierte Innenminister Otto Schily, der Musikschulen mehr fördern will.

Auch Konrad Stadelmann als Vertreter des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) lobte die Welpen und zeichnete anschließend verdiente langjährige Musikantinnen aus. Stefanie Schäfler und Stefanie Reiner erhielten für zehn Jahre Mitgliedschaft Urkunden und Ehrenabzeichen in Bronze des ASM.

Das Motto lautet "Zeit"

Für den restlichen Abend übernahm Martin Steur das Mikrofon und leitete unter dem Motto "Zeit" durch das Programm. "Die letzte Rose" stand am Beginn des Konzerts. Ein symphonisch angelegtes und sauber geblasenes Stück, komponiert von Friedrich von Flotow. Mit der "Kleinen Suite für Blasorchester" von Florian Pranger hörten die Konzertbesucher drei Sätze mit unterschiedlichen Temperamenten. Auf schnelle Rhythmen und abwechslungsreiche Dialoge zwischen den Registern folgte ein nuancierter, ausdrucksvoller Mittelteil mit schwebenden Klangpassagen die schließlich in einen furiosen dritten Satz mündeten, in dem vor allem die Blechbläser ihr spielerisches Können zeigen durften.

"Wir sparen gemeinsam Zeit und sind sofort in Wien", leitete Steur den "Kaiserwalzer" von Johann Strauß junior ein. Ein ausführliches Stück, das dem Ensemble Gelegenheit gab, mit Witz zwischen Kaffeehaus, Donaumonarchie und Walzerseligkeit zu pendeln.
Ein Hörgenuss der ersten Kategorie waren die "Böhmischen Klarinetten". Stefanie Heine, Stefanie Schäfler, Christian Klees und Ferdinand Weiß spielten virtuos und rissen zu Beifallstürmen hin, die auch dem Orchester galten, das lebendig zu begleiten verstand.

In die Zeit des Wilden Westens entführte das "Once upon a time in the west" von dem bekannten Filmmusiker Ennio Morricone. Begleitet von einfühlsamen Saxophonsoli von Hans Schmidt pendelte das Stück zwischen sehr ruhigen und monumentalen Phasen. Ganz andere Töne ließen die Musiker in "Midnight Dancer" von Luigi di Ghishallo anklingen. Die Füße des Publikums wippten bei dem Groove des Big-Band-Sounds mit eindrucksvollen Blechbläserpassagen.

Der Marsch "Tiroler Adler" von Rudolf Achleitner sollte das letzte Stück sein. Doch das Publikum klatschte mit ehrlichem Applaus noch eine "Festtagspolka" und das "Arrival" von Abba heraus. "Wir hoffen, wir haben mit diesem Abend ihre Zeit nicht vergeudet", verabschiedete sich der Moderator Steur. Auf diesen Gedanken ist jedoch nach diesem sehr gelungenen Konzert sicher kein Besucher gekommen.