Lindauer Zeitung 06.12.2005

Bericht und Foto: Werner Günthör

Heldenhaft spielt die Musikkapelle

Note für Note spielen sie auf hohem Niveau: Die Mitglieder des Musikvereins Weißensberg bescheren ihren Zuhörern einen gelungenen Abend mit anspruchsvollen Stücken.

WEISSENSBERG (wg) - Ein vielseitiges und spannendes Jahreskonzert unter dem Motto "Helden" hat der Musikverein Weißensberg in der vollen Festhalle geboten. Der musikalische Bogen reichte von Funk bis zur Marschmusik, der Bogen der vorgestellten Musiker reichte vom jüngsten Nachwuchs bis zur Ehrenmitgliedschaft für 46 Jahre aktive Arbeit im Musikverein.

Die Jungbläser "Weißensberger Welpen" eröffneten den Abend mit einer flotten "Fiesta de San Pedro" und dem swingend vorgetragenen "The Lonely Bull". Vorsitzender Siegfried Egle dankte besonders Dirigent Hubert Höllgartner für die großartige Jugendarbeit: "Man muss Motivationsspezialist sein, wenn man mit so vielen jungen Musikern so weit kommt". Derzeit sind 32 Musiker und 16 Flötenkinder in Ausbildung.

Mit der "großen" Kapelle hatte Dirigent Hubert Höllgartner vorwiegend moderne Stücke einstudiert. Martin Steur, der gewohnt humorvoll durch das Programm führte, versprach "einen Abend mit Helden aus Zukunft, Vergangenheit und Helden des Alltags". Helden der Zukunft fanden sich in "Star Wars Saga Highlights", das nach einem kämpferischen Beginn und einem fast romantischen Mittelteil wiederum furios endete. Mit Dschingis Kahn betrat anschließend ein Held der Vergangenheit die musikalische Bühne - und forderte von den Musikern Disziplin und Schnelligkeit. Beim folgenden "Greensleeves" konnten sich die Zuhörer zurücklehnen. Die Kapelle und mehrere Solisten bewiesen, dass sie auch mit leisen Tönen das Publikum zu verzaubern verstehen. Einprägsames Kino für die Ohren gab es bei der Filmmusik zu "Backdraft - Männer, die durchs Feuer gehen", das ebenso mitreißend war wie "The Best of Phil Collins", das die Musiker gut gelaunt und harmonisch vortrugen.

Roland Bach ist Ehrenmitglied

Oskar Bihler als Vertreter des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes zeichnete Nicole Selzer für das Meistern des D2-Kurses mit Ehrennadel und Urkunde aus, Andreas Heine und Thomas Huber erhielten Ehrungen für zehn beziehungsweise 25 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Vorsitzender Siegfried Egle nahm schließlich die bedeutendste Ehrung des Abends vor: "In 46 Jahren hat Roland Bach sechs Vorsitzende und 15 Dirigenten verbraucht, er war und ist in zahlreichen Ämtern. Kurz, er ist eine Institution in
unserem Verein." Bei stehendem Applaus nahm Bach die Ernennung zum Ehrenmitglied entgegen.
Das frisch gebackene Ehrenmitglied bescherte den Gästen ein originelles musikalisches Erlebnis: Er spielte mit seiner Tuba den Solopart des "Klarinettenmuckl", den er für diesen Abend umgeschrieben hatte. "Weil die Luft noch reicht" gab er eine kräftige Zugabe.
Mit "Funk Attack" lieferten die Musiker anschließend das anspruchvollste Stück des Abends ab. Lang anhaltender Applaus war der Lohn für temperamentvolle Rhythmen, südamerikanisch anmutende Bläsersätze und technische Perfektion. Danach erklang der Big-Band-Sound der 30er-Jahre beim "Jumpin' at the Swing Train", gespielt mit viel Gefühl für musikalische Feinheiten. Am Ende des Abends kamen die Anhänger traditioneller Blasmusik mit dem temperamentvollen Marsch "Kompliment" auf ihre Kosten - geleitet von dem zweiten Dirigenten Christian Klees. Für die Zugabe kamen auch die Jungmusiker auf die Bühne, und gemeinsam gespielt erklang "Nessaja" aus dem Musical "Tabaluga" - ein schöner Abschluss für einen rundum gelungen musikalischen Abend auf sehr hohem Niveau.