Lindauer Zeitung 11.12.2006

Kapelle bietet bestes Kino für die Ohren

WEISSENSBERG (wg) - "Wir haben ein abwechslungsreiches Programm für Sie vorbereitet" versprach Martin Steur, der durch das Konzert des Weißensberger Musikvereines führte. Die Musiker lösten das Versprechen ein - mit einer ganzen Reihe musikalischer Leckerbissen, die großteils aus bekannten Filmen und Shows stammen.

Die Jugendkapelle eröffnete den Abend mit frischen Worten und zwei Filmmusikthemen: "Mission Impossible" und "Moulin Rouge". Als Zugabe spielte der Nachwuchs das bekannte Thema der Show "Lord of the Dance", das sich aus gemächlichem Tempo und vereinzelten Soloinstrumenten zu einem furiosen Finale entwickelt.

Dirigent Hubert Höllgartner behielt seinen Taktstock gleich in der Hand, denn er leitet die Jugend- und die Musikkapelle. Diese hatten sich zum Abschluss des Mozartjahres das "Rondo Alla Turca" vorgenommen. Das sattsam bekannte Klavierstück bietet in der Fassung für Blasmusik plötzlich ein neues Hörerlebnis: Poppig durch Schlagzeugeinsatz, traditionell durch die Instrumentierung und mit erfrischender Dynamik.
Mit der "Rocky Horror Picture Show" war zeitgenössische Musik angesagt. Abrupte Wechsel in Tempi und Instrumentierung forderten abwechselnd alle Register und fügten sich zu einem harmonischen, begeisternden Ganzen.
Anschließend gab es nochmals Kino für die Ohren. Von Dramatik, Grusel, Spannung, Kampf und Abenteuer war zu hören - aber auch von Romantik und der Weite der Meere. Die Titelmusik von "Fluch der Karibik" ist ein Oberstufenstück, in dem die Kapelle durch Präzision, Sinn für Nuancen und perfektes Zusammenspiel auch in schwierigen Passagen überzeugte.
Zur Entspannung präsentierten die Musiker anschließend Gute-Laune-Musik in Big-Band-Manier. Die optimistischen sechziger Jahre feierten mit den "Herb Alpert Golden Hits" jazzig-beschwingt Auferstehung.

Der stellvertretende Landrat Theo Bihler freute sich in seiner Ansprache über das hohe Niveau des Konzertes und lobte die Jugendarbeit des Vereins. Er zeichnte verdiente Musiker aus, insbesondere Hermann Eggel, der seit vierzig Jahren in der Blasmusik spielt und damit schon viele Tausend Proben und Auftritte hinter sich hat.
Für zehn Jahre in der Blasmusik ehrte Bihler Gunter Gabriel, Ingrid Martin, Stephanie Heine und Simone Schmidt, für fünfzehn Jahre Hans Schmidt, Stefanie Mader und Hans-Jürgen Pöche.

Nun trat die Gesamtkapelle in die zweite Reihe und lieferte die Hintergrundmusik für drei umjubelte Solostücke. Den Reigen eröffneten "zwei Sonnyboys": Die Tenorhornisten Maria Weiß und Roland Bach brillierten mit der Filmmusik in einem Arrangement, dass auch den Anhängern klassischer Blasmusik entgegenkam. Ein Kabinettstückchen zeigte Sandra Gabriel am Xylophon mit den "Erinnerungen an Zirkus Renz". Das dritte Solo gehörte Sebastian Schlott, der mit seinem Saxophon "Yakety Sax" erklingen ließ und so souverän die Titelmelodie der Benny-Hill-Show intonierte.
Mit "Conga" spielten die Musiker ein lateinamerikanisches Stück. Langer Applaus war der Lohn für temperamentvolle Rhythmen, Perfektion und Lebensfreude.

Zum Abschluss kamen die Freunde traditioneller Blasmusik mit der sauber geblasenen Polka "Herzensgrüße" auf ihre Kosten - geleitet vom zweiten Dirigenten Christian Klees. Die Zugabe wurde gemeinsam mit den Jungmusikern bestritten: Mit "Young Amadeus" fand der außerordentlich gelungene Konzertabend einen ruhigen und harmonischen Abschluss.