Lindauer Zeitung vom 20. Juni 2012

Musikverein wiederholt historische Schifffahrt von 1847

Eine 165 Jahre alte Zeitungsanzeige gilt als der erste Hinweis auf den Musikverein Weißensberg

Die Ehrengäste, eingerahmt von den Musikern des Weißensberger Musikvereins. Von links: Landrat Elmar Stegmann,
Bezirksleiter des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes Roland Paulus, Bürgermeister Hans Kern, Staatssekretär Josef Pschierer,
Vereinsvorstand Martin Steur. FOTO: WERNER GONTHÖR

Von Werner Günthör
WEISSENSBERG - Sommer 1847: „Die Blechmusikgesellschaft aus Weißensberg fährt mit dem Schiff nach Schachen, um dort auf Einladung des Bad-Wirtes eine Abendunterhaltung zu geben". Diese 165 Jahre alte Zeitungsanzeige gilt als der erste Hinweis auf den Musikverein Weißensberg. Die heutigen Musiker wiederholten diese Schifffahrt und feierten mit vielen Gästen ein und durch und durch stilvolles Jubiläum.
So mancher Besucher am Lindauer Hafen wird sich gewundert haben, als die „Königin Katharina" mit den schneidigen Klängen des „Bayerischen Defiliermarsches" ablegte. Die Musikanten und Gäste an Bord waren in bester Feierlaune: „Vor 100 Jahren wurde unsere Fahne geweiht, vor 165 Jahren wurde der Verein erstmals erwähnt. Das ist Grund genug für ein Festjahr mit mehreren Feiern. Heute aber ist der Höhepunkt ", so Martin Steur, der Vorsitzende des Musikvereins. Zur Jubiläumsveranstaltung waren rund 150 Gäste und Musiker an Bord, die sich alle von der Idee der Schifffahrt mit anschli­ßendem Festabend im Hotel Bad Schachen anstecken ließen.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, überbrachte die Glückwünsche des Verbandes und zeigte sich begeistert von der Wahl des Veranstaltungsortes. „Dies ist der erste Festakt in meiner Amtszeit, den ich auf einem Schiff erlebe - und das bei Bilderbuchwetter und vor traumhafter Kulisse." Pschierer würdigte die Leistungen des Musikvereins und hob das hohe Engagement aller ehrenamtlich Tätigen heraus.

Auch Landrat Elmar Stegmann freute sich über den Ausflug: „Die originelle Idee zeugt von der Kreativität des Vereins. Es ist fantastisch, was Sie auf die Beine gestellt haben". Besonders wichtig war Stegmann die Jugendarbeit des Vereins, für die er einen Scheck überreichte.

Roland Paulus, Bezirksleiter des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, übergab als persönliches Geschenk die Noten für einen Konzertmarsch. „Vielleicht kann ich das Stück ja schon beim nächsten Jahreskonzert von euch hören" wünschte sich Paulus augenzwinkernd.

Menü mit Unterhaltung

„Für eine Gemeinde sind Musik und Feuerwehr die wichtigsten Vereine", bedankte sich Weißensbergs Bürgermeister Hans Kern bei den Musikern. „Ein Musikverein ist nicht alles, aber ohne ihn ist alles nichts".
Nach weiteren Glückwünschen von befreundeten Vereinen und dem ehemaligen Ortsheimatpfleger Severin Birk, der die historische Zeitungsanzeige im Archiv entdeckt hatte, legte das Schiff auch schon beim Hotel Bad Schachen an. Dort wartete ein festliches Menü in sehr stilvollem Ambiente auf die Feiernden. Ganz im Sinne des ersten bekannten Auftrittes spielte eine kleine Besetzung „zur Abendunterhaltung". Vorstand Martin Steur zog abschließend eine positive Bilanz: „Wir wissen nicht, wie der Auftritt unserer Vorfahren vor 165 Jahren verlief, aber heute habe ich nur zufriedene Gesichter gesehen".