Lindauer Zeitung 07.12.2016
Bericht von Bernadette Goebel

Zwischen Himmel und Erde spielt die Musik

Musikverein Weißensberg gibt in der Festhalle sein gut besuchtes Jahreskonzert

Auf dem Jahreskonzert des Musikvereins Weißensberg ehrte der Allgäu-Schwäbische Musikbund mehrere Mitglieder für ihre Treue.
Foto: Werner Günthör

Weißensberg (beg) - Zu viel „Hosianna singen“ ist wenig angenehm. Das stellte schon Alois Hingerl, der unglückliche Münchner Dienstmann im Himmel, fest. Deshalb vereinte das von Dirigentin Sabrina Vetter zusammengestellte Jahreskonzert des Musikvereins Weißensberg unter dem Motto „Zwischen Himmel und Erde“ Stücke aus beiden Welten: Es gab Besuche „Im siebten Polkahimmel“, aber auch bei der irdisch handfesten Büffeljagd der Dakota-Indianer. Der Vorsitzende des Musikvereins, Martin Steur, führte mit Witz und unterhaltsamem Fachwissen durch den Abend.

Glücklich zu sein, ist im Himmel und auf der Erde das höchste Ziel. Die Jugendkapelle Weißensberg schuf mit „Music for Happiness“ (Komponist: Gerald Oswald) einen fröhlichen Einstieg in den Abend. Mit „Wie trainiert man einen Drachen?“, einer Filmmusik von John Powell, gab sie außerdem gleich zu Beginn eine mögliche Antwort darauf, wie man sich richtig zwischen Himmel und Erde fortbewegt. Mitreißend wie der Flug auf einem Drachen präsentierte die Kapelle das Stück und wurde mit lautem Applaus zu einer Zugabe aufgefordert.

Stück über Geschichte eines Indianerstamms

Der Musikverein beschwor danach den olympischen Geist („Olympic Spirit“), ein mit viel Tempo gespielter Marsch nach der Komposition von John Williams (Arrangement: James Curnow), der bereits fünf Oscars für seine Filmmusik erhalten hat.

Das nächste Stück „Dakota“ beschrieb das Leben des gleichnamigen Indianerstamms, der vor allem durch seinen Widerstand gegen die amerikanischen Siedler bekannt wurde. Die Suite erzählte vom Schöpfungsmythos des Volkes, über die gefährliche Büffeljagd und das Massaker am „Wounded Knee“ im Jahr 1890. Dabei tötete ein US-Regiment viele unschuldige Kinder und Frauen, was den Widerstand der Indianer brach. Deutliche Tempiwechsel, durch Horn und Tuba dramatisch akzentuierte Passagen sorgten dafür, dass die Zuhörer die unterschiedlichen Ereignisse im Leben eines Dakota-Indianers gut voneinander unterscheiden konnten.

Am musikalischen Himmel funkelte danach „Cassiopeia“ (Komponist: Carlos Marques), ein Sternbild in den Weiten des Alls, das die Musiker durch helles Triangel- und Flötenspiel gekonnt beschrieben.

Nach der Pause holte die Musikkapelle die Zuhörer wieder auf den Boden gefährlicher Tatsachen zurück: „Backdraft“ (Musik von Hans Zimmer aus dem gleichnamigen Film von 1991) nennt sich eine Rauchgas-Explosion, die einen Feuerwehr-Mann ganz schnell von der Erde ins himmlische Jenseits befördern kann. Die Bedrohung durch eine Feuerwalze wurde akustisch durch rasantes Tempo deutlich.

Der Bezirkspräsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbunds, Roland Paulus, ehrte anschließend acht Mitglieder für ihre langjährige Treue (siehe Infokasten). Vor allem Maria Weiß und Hermann Eggel mit 40 beziehungsweise 50 Jahren Mitgliedschaft bekamen stehenden Applaus für ihr langes Engagement und Weiß einen augenzwinkernden Kommentar von Paulus: „Sie sehen viel zu jung aus für die Dauer Ihrer Mitgliedschaft.“ Der Vorsitzende Steur konterte daraufhin umgehend: „Wir haben Frau Weiß auch immer gut behandelt.“

Posaunen-Solisten können Publikum begeistern

Vier weitere Stücke schlossen sich an, wobei die Solisten an der Posaune in „Happy Trombones“ (Thomas Martin, Johannes Rauch, Jan Sonntag) das Publikum in der Festhalle zu besonderen Begeisterungsstürmen hinrissen. Der Jazz-Hit „Birdland“ von Joe Zawinul beeindruckte durch seinen komplexen Aufbau, den Zawinul selbst beschrieb als „schwierigstes Stück, das ich je geschrieben habe“. Beim abschließenden „Marsch des York’schen Korps“ Ludwig van Beethovens lud Steur dazu ein, „sich zu fühlen wie ein Staatsgast“.


Die eingeforderten Zugaben brachten als krönenden Abschluss die Oscar-prämierte Filmmelodie „Let it go“ mit einem Trompetensolo von Markus Kaeß und beendeten einen unterhaltsamen Abend.

Ehrungen

10 Jahre: Aaron Baston, Franziska Häring, Johannes Rauch.
15 Jahre: Markus Kaeß.
25 Jahre: Stefanie Lofner, Hans-Jürgen Pöche.
40 Jahre: Maria Weiß.
50 Jahre: Hermann Eggel.