Bericht Lindauer Zeitung vom 28.05.2017 (Ulrich Stock)

Trotz kultureller Unterschiede gemeinsam vorangehen

Weißensberger feiern mit Gästen aus französischen Partnergemeinden musikalischen Festabend

Sie halten die Gemeindepartnerschaft lebendig (von links): Bernhard Graf (Vorsitzender Partnerschaftskomitee Weißensberg) und seine Frau Marie-Annick Graf, Gilbert Besnier (Vorstand Partnerschaftsverein Andouillé), Markus Kaeß (Vorstand Musikverein Weißensberg)
Ulrich Stock


Weißensberg sz Fast drei Tage hatte die 64-köpfige Reisegruppe aus Andouillé und Saint-Germain-le-Guillaume in Weißensberg und am Bodensee verbracht. Bevor es am Sonntagmorgen wieder zurück nach Frankreich ging, wurde am Samstagabend noch mal gemeinsam gefeiert. Schauplatz war die Ausstellungshalle der Mercedes-Niederlassung im Weißensberger Ortsteil Rothkreuz, da die Festhalle umbaubedingt nicht zur Verfügung stand. Im Mittelpunkt des Festabends standen Auftritte des Musikvereins Weißenberg und des Musikvereins der Partnergemeinde, der „Harmonie d’Andouillé“. Krönender Abschluss war ein deutsch-französisches Freundschaftskonzert mit Musikanten beider Vereine.

In Ansprachen würdigten Redner die langjährigen Beziehungen zwischen Weißensberg und den beiden französischen Partnergemeinden, die nur ein paar Kilometer voneinander entfernt im Département Mayenne in der Normandie liegen. Gilbert Besnier, Vorstand des Partnerschaftsvereins Andouillé, appellierte an die etwa 150 versammelten Gäste: „Mit all den politischen Veränderungen, die wir derzeit in Europa und weltweit erleben müssen – lasst uns vereint bleiben und gemeinsam vorangehen – auch mit unseren Unterschieden, die unseren kulturellen Reichtum ausmachen!“

Besnier erinnerte auch an die Unterzeichnung der Partnerschafts-Urkunde im Mai 1988 in Weißensberg durch Bürgermeister Edouard Housseau (Andouillé) und Bürgermeister Albert Riebler (Weißensberg). Dabei verriet Besnier, dass man in seiner Heimatgemeinde zurzeit Überlegungen anstelle, zum 30. Jubiläum im kommenden Jahr ein großes Fest zu organisieren und dazu die deutschen Freunde nach Andouillé einzuladen.

Musikvereine tragen die Partnerschaft wesentlich

Weißensbergs Bürgermeister Hans Kern hatte schon zuvor das Thema Europa angesprochen und seine Hoffnung ausgedrückt, dass mit Emmanuel Macron, dem neuen französischen Staatspräsidenten, das „Haus Europa“ wieder besser bestellt werde. Sicherlich seien Partnerschaften auf kommunaler Ebene „nur ein kleiner Baustein für die Völkerverständigung“. Doch ohne sie könne das „gemeinsame Haus Europa“ nicht wirklich vollendet werden. Kern: „Wir, die Bürgerinnen und Bürger sind es letztlich, die an diesem Europa weiter bauen und es gestalten müssen.“

Luc Dalibard, stellvertretender Bürgermeister von Andouillé, der den dienstlich verhinderten Bürgermeister Bertrand Lemaitre vertrat, hob in seiner Rede vor allem die beiden Musikvereine hervor, die seit 2009 die Jumelage ganz wesentlich tragen.
Das beweise doch, dass „die Musik, diese weltumspannende Sprache, es uns ermöglicht, einander näherzukommen und gemeinsam tolle Momente zu verbringen“. Dank der Bemühungen der Orchesterleiter sowie der Dirigenten sei die Gemeindepartnerschaft zwischen Weißensberg und Andouillé/Saint-Germain-le-Guillaume ein „Erfolg“ geworden. Dalibard wörtlich: „Sie befeuern nämlich unsere Jugend und sogar die Bevölkerung mit ihrer Leidenschaft.“

Diese Leidenschaft spürten die Gäste auch bei den Konzerten am Festabend, als die Dirigenten Éric Pinson und Sabrina Vetter mit ihren Musikern eine reichhaltige Auswahl an Musikstücken präsentierten. Hatten die Franzosen eher modernere Stücke im Programm – wie zum Beispiel „El Cumbanchero“ (Samba), ein Medley der Popgruppe Abba oder auch eine Melodie aus „Beauty and the Beast“, konnten die Weißensberger Musikanten mit traditionellen Märschen und Polka, etwa „Von Freund zu Freund“, besonders aber mit ihren drei Alphornbläsern auftrumpfen. Fallweise wurden beide Musikvereine vom Publikum mit tosendem Applaus belohnt. Anschließend wurde auf dem Platz vor dem Mercedes-Autohaus bei Essen und Trinken noch gemeinsam gefeiert und die deutsch-französischen Beziehungen weiter gefestigt und vertieft.